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Last Life In The Universe

18. April 2010

Doyle minus Kar Wai plus Ratanaruang = ?

Das erste Drittel um die unmotivierten Selbstmordversuche des introvertierten Bücherwurms Kenji (Tadanobu Asano) ist skuril und durchaus interessant. Es erinnert in seiner Erzählweise aber stark an japanisches Kino, was an westlichen Sehgewohnheiten gemessen meist sehr sperrig daherkommt. Das ist auch hier durchaus der Fall, was bei Einigen gepflegte Langeweile hervorrufen wird. Die verpassen dann aber leider einen wahrlich phantastischen Film.


Luzide Träume

Kenji, passionierter Luizidträumer

Immer wieder hat Kenji Dinge in der Hand oder, die seinem Leben ein Ende setzen sollen – samt mystisch-schön stilisierter Todesvision. Doch es kommt nie dazu, um ihn herum passiert im entscheidenden Moment stets etwas, dass ihn davon abhält. Unter anderem ein tragischer Unfall – der endet damit, dass Kenji in leicht hilfloser Manier ein Mädchen tröstet, was zum zentralen Strang des Filmes führt. Dort verwandelt sich die Geschichte mit kleinen, leichtfüßigen Schritten in eine sehr gefühlvolle Liebesgeschichte der komplett kitschfreien Art. Asano erhält dabei mit Boonyasak, die in der Rolle von Noi ein beachtliches Leinwanddebut abliefert, einen lauten und chaotischen Gegenpol. Im Kern bleibt die Geschichte völlig authentisch, auch wenn sie äußerlich in die Ästhetik des gehobenen Asia-Kinos gebettet wird.

Regisseur Ratanaruang hat dem in seiner Arbeit einmal mehr brillierenden Christopher Doyle vorher klargemacht, dass er im Visuellen am Ende nicht mit kein Wong Kar-Wai-verwechselt werden möchte. Die Gefahr besteht nicht.

Noi

Noi

Last Life In The Universe ist vom bildhaften Schwermut der Kar-Wais weit entfernt und besitzt einen völlig eigenständigen, wärmeren Charme. Auch wenn kühlere oder melancholische Töne mitschwingen, empfand ich den Film eigentlich sehr positiv und abseits der anfänglich situationsbedingt absurden Komik als streckenweise sogar lustig, womit ich nun als letztes gerechnet hätte.

Die angeschlagenen Töne sind angenehm leise, auch der spärliche und minimalistische Instrumentalsoundtrack hält sich in seiner Lautstärke stark zurück, harmoniert so wunderbar mit den Bildern, gleichsam dem schüchternen Schauspiel von Asano. Allein das Haupttheme läuft gelegentlicht im Vordergrund und hült die dann dialogfreien Bilder Thailands in violetten Samt. Das Grundthema um Einsamkeit und zwei grundverschiedene Menschen auf der einenden Suche nach etwas, um leise Verzweiflung und den Tod als einen möglicher Ausweg, aber auch die Schönheit des Lebens finden sich im Ende des Films wieder harmonisch und kunstvoll ein. Durchdacht, ohne Pathos, toll gespielt und mit beeindruckenden Bildern eingefangen.

Sicher kein Film für Jeden und kein Film für jede Stimmung. Aber einer der besten Filme für die richtige Stimmung und für den richtigen Zuschauer. CineBild vergibt: Irgendwas zwischen 1/10 und 12/10.

Auch gut: Das einstündige Interview mit Doyle auf der 2. DVD ist, im Gegensatz zu dem etwas strangen „Making Of“, definitiv sehenswert. Der Film ist im Verleih bei Rapideymovies.


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From → filmriss

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