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Update: Infinity Ward vor dem kreativen Aus? (inkl. Roundup)

29. April 2010

Infinity Ward LogoUpdate 16:19: Die Luft wird dünner. G4TV spricht sogar von inzwischen 38 Mitarbeitern, wobei zum einen nochmals betont wird, das das zurückhalten der Boni gegen geltendes Recht verstoße. (Dies sagte der Anwalt von West und Zampella bereits, als diese ihre Klage einreichten.) Den rechtlichen Bestimmungen zufolge ist Mitarbeitern ihr Anteil binnen 72h nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses zu zahlen. Zum anderen wurde  die Summe, um die es geht, nochmal drastisch nach oben geschraubt. Summa summarum 625$ Mio. USD sind es inzwischen, die für Activision auf dem Spiel stehen. In Bezug auf das Ziel, das Activision mit seinem Gebahren verfolgt, sind die Worte der Sammelklageschrift sehr deutlich gewählt:

„In short,“ reads the lawsuit, „Activision withheld the property of the IWEG in an attempt to keep the employees hostage so that Activision could reap the benefit of the completion of Modern Warfare 3.“

Originaltext: Es sieht zunehmends düster für Activision und deren Modern Warfare-Studio aus. Nachdem Mitte April 3 Leute IW den Rücken gekehrt haben, gab es nun eine schon beachtlichere Welle. Weitere 26 der „100 Leute“ (Infinity Ward-Teamstärke lt. Activision) haben gekündigt, zwei davon sind bei Respawn (der neuen Bude der geschassten Infinity Ward Chefs West und Zampella, s.u.) angekommen. Dabei ist es gut möglich, dass dies noch nicht einmal das Ende der Fahnenstange ist. Was zugleich das kreative Aus für Infinity Ward und den Millionenseller „Modern Warfare“ bedeuten könnte.

Activision hat allein Modern Warfare 2 einen Gewinn von 1,25 Mrd. USD beschert. Auch wenn die Namensrechte bei Activision verbleiben: ob sich dieses Kunststück beim dritten Teil wiederholen lässt, dürfte fraglich sein.

Passend dazu gibt’s von 38 Ex- wie auch Noch-Mitarbeitern von IW eine saftige Sammelklage über fluffige 75-125 Mio. USD wegen zurückgehaltener Prämien und Boni für Modern Warfare 2. Badisch!

Bruce Isaacs, einer der Anwälte: „Activision has withheld most of the money to force many of my people to stay, some against their will, so that they would finish the delivery of Modern Warfare 3. That is not what they wanted to do. Many of them. My clients‘ entitled to their money. Activision has no right to withhold their money – our money.“

Eine kurze (ähem) Auffrischung dessen, was davor passiert ist:

Jason West und Vince Zampella wird seitens Activision Subordination und Vertragsbruch vorgeworfen, pünktlich zum 1. März werden sie rausgeschmissen. Als erster meldet das West. Auf Facebook verkündet sein Status er „säuft und sei nicht mehr angestellt“, bei Linkedin steht seine Tätigkeit für Infinity Ward unter „es war einmal“.

Facebook-Status

Ende März wären die branchenüblichen Bonus- und Prämienzahlung für Modern Warfare 2 fällig gewesen. West und Zampella halten das für keinen Zufall und werfen ihrem ehemaligen Brötchengeber vor, dass man sich mit ihrem Rauswurf vor allem davor drücken will – und verklagen Activision wenige Tage nach ihrer Entlassung auf 36 Mio. USD. (Die Klageschrift steht übrigens vollständig im Netz, u.a. bei IGN.)

Spannungen gab es schon zuvor, da IW nach Modern Warfare keinen dritten Teil nachschieben, sondern etwas neues probieren wollte. Das wurde zwar 2008 in einem Memorandum of Unterstanding (MoU) festgehalten, hat jedoch i.a.R. keinen rechtlich bindenden Charakter.

Als gesichert gilt, dass Activision die starken IPs „Call of Duty“ und wohl vor allem „Modern Warfare“ künftig noch stärker melken will, selbst ein Action-Adventure-Spinoff ist angedacht. Zumindest die Fürungsriege von IW hatte eben darauf jedoch so gar keine Lust. Verkompliziert wird die Lage noch dadurch, dass in dem genannten MoU auch zugesichert wurde: Ohne Zustimmung von IW darf kein anderes Team an Titeln arbeiten, die „“Modern Warfare“ im Namen tragen. Auch wenn „Call of Duty“ ein durchaus zugkräftiger Brand ist, ist doch „Modern Warfare“ der Gelddruck-Name schlechthin. Von Treyarch, die vor allem die „ungeraden“ Call of Duty-Titel (3 + 5 aka „World at War“) entwickeln, hält IW indes nicht viel. Das 1 +1 kriegt da glaube ich jeder selbst zusammen.

Die Gegenklage von Activision folgt einen Tag später auf dem Fuße. U.a. wegen Unloyalität und Verzögerung der Arbeiten an Modern Warfare 3. Activision lässt nach Unterlagen suchen, die belegen sollen, dass Zamepella und West mit EA gekuschelt haben und ein unabhängiges Studio gründen wollten. Ob das, was letztlich genau so eingetreten ist, eine Folge vom Rausschmiss oder tatsächlich von West und Zampella so oder so geplant war, lässt sich noch nicht beantworten – das bleibt auf jeden Fall spannend.

Interessant ist, dass es vorerst keiner den Obermackern gleich getan und den Laden verlassen hat. Ein bisschen verwunderlich, weil z.B. ungewollte Aufkäufe in der Vergangenheit schlicht zur Folge hatten, dass vom Studio nur der Name übrig blieb und die kreativen Köpfe einfach ein neues Studio gründeten. EA hat zu dem Thema sicher eine Enzyklopädie mit vielen, vielen Liedern, die sie singen können. Warum das hier anders ist? Möglicher Grund ist der nächste potentielle Knaller von Activision. Dem Laden, der EA den King of the Evil Hill-Titel inzwischen schon vielfach abgejagt hat:

Sources tell Kotaku that Activision continues to delay royalties to other employees in order to keep them at the company. The morale at Infinity Ward is reportedly extremely low.

Das hat sich derweil ja de facto bestätigt, wie der obigen Aussage des Anwalts zu entnehmen ist – zumindest aus Mitarbeitersicht. Dazu fällt einem echt nicht mehr viel ein. Wobei, doch. Ja fein gemacht! Ich bin mir sicher: Genau so hält man die Leutchen da auch langfristig bei der Stange und spätestens in zwei Jahren hat dieses glückliche Team dann ein glamuröses Modern Warfare 3 fertig. *brainpalm*

Activision höchstselbst verkündete später, dass die Prämien von West und Zampella auf die verbliebenen Angestellten aufgeteilt werden sollen. Natürlich müssen man, wenn man die haben will, bei der Firma beschäftigt sein bleiben:

Steve Akrich (IW-Interimschef): „Activision is not pocketing that bonus money; it’s still going to the people who work at IW. But you have to work at IW to get it, see? (…) more people will probably go too, looking for new situations. Maybe they will join Respawn, maybe not. I’m confused, because by leaving, they are giving up their bonus — and the more people that leave, the bigger the bonus gets for the people who stay.“

Eins muss man ihnen lassen: Sie sind Evil und stehen dazu – das sieht man ja auch nicht allzu oft!

Wieso Respawn? Respawn Entertainment ist das Studio, dass West und Zampella nach ihrem Rausschmiss gegründet haben. Electronic Arts wird dabei als Publisher tätig sein, West und Zampella aber die volle Kontrolle und Freiheit über ihrer IPs überlassen. Also das, was die beiden Ex-IW-Köpfe auch bei Activision über das o.g. MoU erreichen wollten. Dieses Mal sind es wohl mehr als leere Versprechungen, denn Respawn wird nicht direkt in EA eingegliedert, sondern „nur“ über das EA-Partner-Programm unterstützt wird. Quasi Venture-Kapital. Der Treppenwitz schlechthin – schließlich gehörten West und Zampella einst zu EA und haben Infinity Ward gegründet, weil sie von EA, wo sie Medal of Honor entwickelten, die Schnauze voll hatten.

Nun ja, EA hat sich geändert, Activision auch. Vorzeichentausch und ihre Folgen. Neue Freiheit und eine ungesunde Mischung aus Überambition und leichtem Größenwahn bedeutet nicht unbedingt auch Erfolg. Hochmut kommt vor dem Fall, wie seinerzeit Ion Storm (id-Softwares John Romero und sein Daikatana) und nicht zuletzt Flagship (Ex-Blizzards Bill Roper mit dem verkorksten Hellgate London) höchst anschaulich unter Beweis gestellt habe. Und gerade Infinity Ward war bezüglich Modern Warfare 2 nicht gerade frei von Kritik, während sie selbst sich und ihre Arbeit doch für schwer grandios halten. Bleibt zu hoffen, dass West und Zampella recht behalten und sie bei Respawn wirklich den angedachten „huge, summer blockbuster“ auf die Beine bekommen.

From → verspielt

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