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Moon – stilvoll, aber ohne Tiefgang (Review)

10. Juni 2011

(Der Text ist schon älter und steht auch schon an anderer Stelle. Ich veröffentliche ihn trotzdem auch an dieser Stelle, damit er nicht irgendwann im digitalen Nirvana eines Forums vereendet. Schlimmstenfalls fällt aus und bestenfalls bereite ich einem Interessierten damit gar eine kleine Freude.)

Filmplakat von Moon

Die Grünen wird’s freuen: In nicht allzu ferner Zukunft hat die Erde sein Energieproblem im Griff. Die Lösung? 70% der weltweiten Energieversorgung werden abgedeckt, indem Helium3 wird auf dem Mond vollautomatisch abgeerntet wird. Nahezu vollautomatisch. Ein einsames Menschlein brauchen die Stationen dann doch noch, um die Erntemaschinen regelmäßig zu leeren und die Container zur Erde zu schießen.

Einer von ihnen ist Sam Bell, der den dafür üblichen Dreijahresvertrag unterschrieben hat. Zwei Wochen sind es noch, dann geht es für ihn endlich zurück zur Erde – in die Arme der sehnsüchtig wartetenden Frau, zur süßen Tochter. Und das ist auch dringend nötig, denn die Isolation wirkt sich auf Sams Psyche nicht gerade positiv aus.

Neben den Videobotschaften von seiner Frau und der Firmenzentrale ist GERTY Sams einziger Ansprechpartner. Der an Deckenschienen umherhuschende Roboter ist zwar von der verständnisvolleren Sorte und schneidet Sam auch brav die Haare. Dennoch ist der in seiner Tonlage an HAL erinnernde KI-Buddy nun mal kein Ersatz für echte Menschen. Da hilft es auch nicht, dass GERTY seiner Gefühlslage über Emoticons auf seinem Display Ausdruck verleihen kann.

Wenn Sam sich nicht mit GERTY oder seinen Pflanzen unterhält, führt der Gute dann auch inzwischen verdächtig oft Selbstgespräche. Gekrönt wird der desolate innere Zustand, als sich ein paar Synapsen dazu entscheiden milde Halluzinationen in den monotonen Alltag zu streuen.

Als Sam einmal mehr einen Ernter leeren will, sieht er wieder etwas. Eine Frau, irgendwo inmitten der dichten Mondstaubwolke des Ernters. Er kommt ihr näher, vergisst aber dabei Umwelt und wird reichlich grob aus seiner sanften Trance gerissen, als er mit seinem Moon Rover Mark II den Ernter rammt. Rover und Ernter verkeilen sich. Die Fahrzeuge stehen still im Nichts. Für den verletzten Sam droht der Rover zum Sarg zu werden, der er gelangt nicht heraus und verliert das Bewusstsein. Wird aber kurz darauf unverhofft gerettet – von sich selbst…

Mir fallen zwei Wege ein, die man ab hier beschreiten kann. Entweder legt man den Film als fieses psychologisches Kammerspiel an, oder man versucht sich an einer eher philosophischen Betrachtung. Etwas wirklich Großes hätte man erschaffen, würde man beide Möglichkeiten geschickt verweben.

Leider verschenkt Duncan Jones in seinem Spielfilmdebut seine Möglichkeiten zuungunsten einer unbefriedigenden Lösung, die Möglichkeiten verenden so letztlich in einem Kammerspiel light. Und selbst aus dieser vergleichsweise einfachen Perspektive mag Moon mich nicht so recht zu überzeugen. Dafür begeht er bei zu vielen Details zu viele Dummheiten; allzu oft wird die aufgebaute Atomosphäre vom Script konterkarriert. Auch eine handvoll harter Schnitte sind dem nicht gerade zuträglich, derart anachronistisch will ich so etwas heute wirklich nicht mehr sehen müssen.

Die größten Probleme sind aber, dass nach der Auflösung nicht nur glaubwürdigere Reaktionen ausbleiben, sondern es vor allem an einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem ausgebreiteten Thema fehlt. Zudem bleibt das Verhältnis des Zuschauers zu Sam so unterkühlt wie die Szenerie – trotz eines absolut überzeugend spielenden Sam Rockwell. Der hätte noch viel mehr gekonnt, wenn ihn das Drehbuch nur gelassen hätte.

Gefallen hat mir über weite Strecken die Regie, der unterprätentiöse Score und das kühle Low-Tech-Setting samt vorzüglichem Set Design. Beleibe keine Selbstverständlichkeit und so hat Moon immerhin einen sehr eigenen -durchaus sehenswerten- Stil, wodurch er mit Einschränkungen empfehlenswert bleibt. Zumal intelligenterer Science-Fiction nicht zu den Genres gehört, wo sich nur irgendwo Bücken muss, um eine Perle aufzuheben.

Insgesamt ist der Film leider dennoch vor allem eine riesige verschenkte Chance, der sein thematisches Potential nur im Ansatz ausschöpft. Auch der Schluss ist passenderweise ebenso so wenig zu Ende gedacht, wie der ganze Film.

From → filmriss

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