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Sleep Tight

5. Juli 2012
Sleep Tight Filmplakat

Betäubungsmittel sind (k)eine Lösung!

Für alle Freunde von [REC]: Sleep Tight hat mit Balaguerós Zombieschnetzler gemeinsam, dass er ausschließlich in einem alten Wohnhaus spielt. Gemeinsamkeiten Ende. Sein aktueller Streifen geht in eine völlig andere Richtung und dreht sich um den Concierge („César“) eines herrlichen Mietshauses in einer namenlosen spanischen Stadt. César hat seit seiner Geburt ein klitzekleines Problem: Er kann nicht glücklich sein. Vom Suizid hält ihn einzig ab, dass auch die Menschen um ihn herum auch nicht glücklich sind. Bei denen, die es sind, gibt sich der nach außen hin stets freundliche und ewig hilfsbereite César alle Mühe, das zu ändern. Wobei es äußerst praktisch ist, berufsbedingt Schlüssel zu allen Wohnungen des Hauses zu besitzen.

Sie haben eine Kakerlakeninvasion ihn ihrer Wohnung? Unerklärlich! Das ist ja wirklich äußerst bedauerlich, ich werde mich darum kümmen.

Selbst dass eine seiner Missetaten polizeiliches Aufsehen erregt, ist für ihn kein Problem – es finden sich doch immer Mittel und Wege, es anderen in die Schuhe zu schieben. Die dann natürlich an seiner Stelle büßen dürfen. Für César leztlich eine Win-Win-Situation: das doppelte Unglück ringt ihm gar ein höchst seltenes, verhaltenes Lächeln ab.

Das interessante ist, dass César dabei kein glattes, komplett eindimensionales Arschloch ist.  Sondern durchaus so gezeichnet wird, dass man mit ihm – in einem gewissen Rahmen – durchaus mitfühlen kann. Ein tieftrauriger, einsamer Mensch, dessen einzige echte Bezugsperson seine im Wachkoma liegende Mutter ist. Die besucht er dafür täglich im Krankenhaus, wo sie sich hilflos anhören muss, was César gerade wieder bei und mit den Bewohnern angestellt hat.

Genremäßig ist der Film schwer zu fassen. Angekündigt war er zumindest auf der Premierenvorstellung als „Horror Thriller“. Das ist zwar irgendwo auch nicht ganz falsch, gleichzeitig aber auch irreführend. Dafür ist er, auf seine eigene, sehr spezielle Art, schlicht zu komisch. Würde man nüchtern aufzählen, was César alles abzieht, zieht es einem in einigen Belangen ernsthaft die Schuhe aus. Gerade was seine sehr spezielle Obession für die attraktive und unerschütterlich lebensfrohe Clara anbelangt. Obwohl sich der Film in seiner Darstellung im krassen Gegensatz zu [REC]  grundsätzlich vornehm zurück hält, ist es zweifelsohne mitunter ziemlich wiederlich.

Andererseits wird das stets dadurch entschärft, dass während oder nach seinen Exkursionen oft herrliche, absurd-lustige Situationen enstehen. Die zwei Gesichter von César spiegeln sich immerwährend auch in zwei Gesichtern des Filmes wieder. Das Konzept kulminiert schlussendlich in einem grandiosen Ende, in dem der Film noch mal in sich auf den Punkt gebracht wird: tragisch-bitter auf der einen und absurd-komisch auf der anderen Seite. Ob es ein Happy End ist? Liegt im Auge des Betrachters.

Das Luis Tosar die Rolle des César nun wirklich vorzüglich spielt, ist der Qualität eines Filmes, der mit seinem Protagonisten steht oder fällt, nicht gerade abträglich. Klare Empfehlung für Freunde schräger Unterhaltung.

From → filmriss

One Comment
  1. Hört sich auf jeden Fall ziemlich interessant an und besitzt schon im Trailer den „Charme“ von [REC]. Vielleicht bildet sich da in Spanien ein neues Horror-Hollywood. Freue mich schon auf weitere Filme von Jaume Balaguero und Paco Plaza.

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